Wie die Industrie verschwindet – und wie sie aufblüht

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Der Wuppertaler Siegfried Sohn, 82, und sein Jacquard-Webstuhl

Eigentlich könnte Matthias Hiegl zufrieden sein. Wenn da nicht die Sache mit der Cafeteria wäre. Hiegl ist der Chef des Medical Valley Center in Erlangen. Das Zentrum ist ein Vorzeigeprojekt der Stadt und der gesamten deutschen Medizintechnikbranche, ein sogenannter Start-up-Inkubator, im November war der Bundespräsident zu Besuch. Hier arbeiten Wissenschaftler von der Universität und knapp 40 Unternehmensgründer aus der Welt der Medizintechnik Tür an Tür. Im Foyer des lichtdurchfluteten Neubaus sollen Forscher und Gründer beim Kaffee zusammenkommen, die Cafeteria soll ein Ort der Begegnung sein. So stellt Hiegl es sich jedenfalls vor. Doch seit ein paar Monaten ist sie verwaist, Hiegl und seine Leute müssen einen neuen Betreiber suchen.

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Im Erlangener Medical Valley Center sitzen Forscher und Gründer Tür an Tür.

Solche Sorgen hätten sie in Wuppertal, knapp 400 Kilometer nordwestlich von Erlangen, vermutlich auch gern. Die Stadt war einmal ein industrielles Schwergewicht in Deutschland. Man kann die Relikte der glorreichen Vergangenheit noch gut im Stadtbild erkennen: Über der Innenstadt thront das Glanzstoff-Hochhaus, lange Zeit Sitz des gleichnamigen Weltmarktführers in der Herstellung von Chemiefasern mit 29.000 Mitarbeitern. Heute hat dort ein japanisches Unternehmen seine Büros. Gegründet, erfunden und gefertigt wird nicht mehr viel. Oder das imposante Backsteingebäude, in dem die Bandweberei Büsgen saß, die Mitte des 20. Jahrhunderts noch international bekannt war für ihre hochwertigen Samtbänder. 1995 wurde der Betrieb eingestellt, das Gebäude steht größtenteils leer.

Dabei waren sich Wuppertal und Erlangen vor drei Jahrzehnten noch in vieler Hinsicht ähnlich. Beide waren Industriestädte. Große Teile der Bevölkerung arbeiteten Anfang der 1990er-Jahre in der Herstellung und Verarbeitung von Gütern: 46 Prozent waren es in Wuppertal, 47 Prozent in Erlangen. Beide waren zudem große Standorte deutscher Unternehmen von Weltrang: Bayer wurde in Wuppertal gegründet, Siemens siedelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Erlangen an.

Erlangen wird zum Hoffnungslicht

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Hier wird neue Medizintechnik entwickelt.

Von diesem Ausgangspunkt nahmen die beiden Städte allerdings eine sehr unterschiedliche Entwicklung. In Wuppertal stürzte die Beschäftigungsrate im Verhältnis zum deutschen Durchschnitt seitdem je Jahrzehnt um 14 Prozentpunkte ab. In Erlangen wuchs sie. „Bei uns hat es eigentlich gar keine Deindus­trialisierung gegeben“, sagt der gebürtige Erlanger und langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer. Und während in Wuppertal die Bevölkerungszahl zwischenzeitlich um mehr als 30.000 Menschen schrumpfte, nahm sie in Erlangen um mehr als 10.000 zu.

Heute ist Erlangen eines der Hoffnungslichter der deutschen Industrielandschaft: eine reiche Stadt, nach wie vor industriegeprägt, wo man verständnislos den Kopf schüttelt, wenn Bundesminister davon sprechen, Deutschland sei nicht mehr wettbewerbsfähig.

Wuppertal auf der anderen Seite versucht sich neu zu erfinden, als Kulturhauptstadt des Westens. Aus alten Fa­brikgebäuden sind Lofts und Kunstgalerien geworden. „Das neue Berlin heißt Wuppertal“, schrieb vor Kurzem die „Zeit“. Arm, aber sexy eben. Das klingt allemal netter als der Kabarettist Rainald Grebe, der einst dichtete: „Wuppertal sieht aus wie Wladiwostok 1962. Wenn man immer nur den Osten mästet, das rächt sich.“ Wer die Villenviertel am Stadtrand kennt, weiß, dass das unfair ist. Aber von der Blütezeit der Industrialisierung ist Wuppertal, einst die viertgrößte Stadt Preußens, heute weit entfernt.

Dass sich diese beiden Städte so unterschiedlich entwickeln würden, war nicht abzusehen. Auch Erlangen stand in den Neunzigerjahren vor dem Niedergang. „Wir hatten eine riesige Krisensituation in der gesamten Region“, sagt Altbürgermeister Siegfried Balleis, der Erlangen fast 20 Jahre lang regiert hat. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 9 Prozent, als der Wiedervereinigungsboom abebbte. „Hier sind reihenweise Unternehmen in die Knie gegangen“, sagt Balleis. Über 9000 Stellen in den Branchen Metall und Elektrotechnik gingen zwischen 1990 und 1996 verloren. Allein Siemens baute mehr als 10 Prozent seiner Stellen ab. Analysten von Goldman Sachs kamen damals zu Heinrich von Pierer, um ihm den Verkauf der in Erlangen ansässigen defizitären Medizintechniksparte nahezulegen. Von Pierer lehnte ab, was sich rückblickend als Glücksgriff erwies, für Erlangen und für Siemens.

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Die Glanzstoff AG in Wuppertal war einst Weltmarktführer in Chemiefasern. Heute ist davon nur noch der alte Firmensitz übrig.

Bildung ist wichtiger Erholungsfaktor

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Siegfried Balleis, 70, war von 1996 bis 2014 Oberbürgermeister der Stadt Erlangen.

In Deutschland sind Wuppertal und Erlangen die Extrembeispiele. Aber ähnliche Geschichten spielten sich auch andernorts ab. Kronach, Hagen und Göppingen büßten in den vergangenen drei Jahrzehnten Beschäftigung ein; Ingolstadt, Hof und Landshut stehen heute besser da als 1990. Wie kommt es, dass eine Stadt so sehr zurückfällt, während einer anderen die Wende gelingt?

Der Wirtschaftshistoriker Michel Serafinelli von der Universität Essex hat genau diese Frage gemeinsam mit zwei Kollegen untersucht. Die Wissenschaftler haben sich dafür die Deindustrialisierung in zweitausend Städten und sechs Ländern angeschaut.

„Es ist nicht klar, dass die Wuppertals dieser Welt repräsentativ für alte Indus­triestädte als solche sind“, sagt Serafinelli über seine Ergebnisse. „Wenn eine Erholung möglich ist, dann stellt sich die Frage: Welche Faktoren sind dafür hilfreich?“ Ein wichtiger Faktor ist Serafinelli zufolge die Bildung: Je mehr Menschen einen Hochschulabschluss haben, desto besser kommen sie mit dem Strukturwandel seit den 1990er-Jahren zurecht. Das ist in dieser Zeit eine neue Entwicklung. Bis in die 1980er wuchs die Beschäftigung in Städten mit hohem und niedrigem Akademikeranteil gleichermaßen. Erst mit dem Strukturwandel der 1990er wurde Hochschulbildung wichtiger. Weil sich die verbliebene Industrie mehr in Richtung Hightech entwickelte und die Ansprüche höher wurden – und weil ein Schrumpfen der Industrie seitdem durch einen wachsenden Dienstleistungssektor ersetzt wird.

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Heinrich von Pierer, 83, ist gebürtiger Erlangener und war von 1992 bis 2005 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG.

Tatsächlich hat Erlangen unter den deutschen Stadt- und Landkreisen den zweithöchsten Akademikeranteil nach München. In Wuppertal hingegen gibt es so viele Menschen ohne Berufsabschluss wie nirgends sonst in Nordrhein-Westfalen, abgesehen von Gelsenkirchen und Hamm. Serafinellis Erklärung klingt plausibel angesichts der Bedeutung, die der Universität in Erlangen zukommt. Kein Gespräch mit Wirtschaftsvertretern kommt ohne einen Verweis auf die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) aus. Die Zusammenarbeit ist eng, nicht nur weil Universitätspräsident Joachim Hornegger selbst ein ehemaliger Siemensianer ist. Studierende bekommen früher als andere Zugriff auf neue Technologien aus dem Siemens-Kosmos. Und Siemens bekommt das für seine Bedürfnisse ausgebildete Personal. Seit Jahren führt die FAU das Ranking der innovationsstärksten Unis Deutschlands an. „Uns eilt ein bisschen der Ruf voraus, dass wir die beste Uni sind, die keiner kennt“, scherzt Hornegger. Den Studiengang Medizintechnik hat er begründet und einige Jahre geleitet.

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Die Fabrik der Bandweberei Büsgen in Wuppertal steht heute größtenteils leer.

Seit 2022 gibt es an der Universität das Fach Medizinrobotik, in dem Alessandro Del Vecchio lehrt. Der Italiener hat sein Büro im Medical Valley Center, mit seinem Team entwickelt er Exoskelette, die sich wie ein Handschuh überstreifen lassen. Über elektrische Impulse sollen sie Menschen die Kontrolle über ihre Gliedmaßen zurückgeben. Ein bisschen wie bei Luke Skywalker in „Das Imperium schlägt zurück“. Ein Hauch von Science-Fiction in Mittelfranken.

Wuppertal war einmal das Herzstück der preußischen Frühindustrialisierung, und das Herzstück der Wuppertaler Industrie war die Bandweberei. Aus der Textilindustrie entwickelte sich über den Umweg der Farben für bunte Textilien die Chemie- und Pharmaindustrie.

Wuppertals Abwanderung in zwei Wellen

Heute ist davon wenig übrig. Aber im Bandwebermuseum lassen sich die alten Zeiten nachempfinden. Das Museumsgebäude steht sinnbildlich für den Wandel: In der Glanzphase der Wuppertaler Textilindustrie standen hier dicht an dicht 40 Webstühle der Firma Gold-Zack, Marktführer für Litzen, Gummi- und Textilbänder. 1995 wurde Gold-Zack aufgelöst, der Markenname verkauft. Irmgard Pesch, die ehrenamtlich im Museum arbeitet, ist an diesem Tag hier, weil ein alter Webstuhl repariert werden muss. Ein ehemaliger Bandweber ist dazugekommen, der die Maschinen noch aus der Praxis kennt. In einer Pause erzählt Pesch: In den 1970ern begann „der große Einbruch“. Damals seien im Zuge der Automatisierung viele Kleinbetriebe pleitegegangen, die sich die Investitionen nicht leisten konnten.

Einer, der die Geschichte der Wuppertaler Textilindustrie aus erster Hand kennt, ist Siegfried Sohn. Der 82-jährige hat schon als Kind in der Hausbandweberei seines Vaters mitgeholfen, die Bänder an die großen Textilfabriken lieferte. Die Produktionsstätte hinter dem Wohnhaus der Sohns, seit jeher mit einem englischen Lehnwort als „Shed“ bezeichnet, wirkt wie ein Überbleibsel der Frühindustrialisierung. Doch dieser Eindruck täuscht. Hausbandweber wie die Familie Sohn spielten noch bis weit in die Nachkriegszeit hinein eine wichtige Rolle als Zulieferer. Einer der fünf Jacquard-Webstühle ist noch voll funktionsfähig, steht aber im Winter still, zu hoch sind die Heizkosten, um die aus Holz gefertigte Maschine bei kaltem Wetter zu betreiben. Das Webmuster wird über Lochkarten eingegeben. „Der erste Computer der Welt“, sagt Sohn mit einem Lachen, die Begeisterung für die alte Technik ist ihm dabei anzusehen. Er hat die Abwanderung der Industrie in zwei Wellen miterlebt. „Es fing an mit der sogenannten passiven Lohnveredelung.“ Die Materialien wurden in Wuppertal in Container gepackt und im Ausland zusammengenäht. „Davon hat man erst nicht viel gemerkt.“ In den 90er-Jahren kam der zweite Schub, als auch die Stoffe nicht mehr in Deutschland hergestellt wurden. Sohn arbeitete inzwischen für ein Unternehmen, das Etiketten herstellte, bis es auch damit zu Ende ging. Zur Konkurrenz aus Italien und Jugoslawien kam die aufstrebende Textilindustrie in Fernost. Die Wuppertaler Produzenten waren nicht mehr wettbewerbsfähig.

Warum ging es in Erlangen so viel besser? Spricht man mit den Vätern des dortigen Erfolgs, kommen diese immer wieder auf ein Thema zu sprechen: Platz. Der Stadt sei Mitte der 90er-Jahre ein Geschenk „in den Schoß gefallen“, sagt Heinrich von Pierer – und meint 136 Hektar ungenutztes Land in unmittelbarer Innenstadtnähe. Die US-Armee hatte in Erlangen einen Stützpunkt, die „Ferris Baracks“, den sie 1995 aufgab. „Woanders hätte man lange Gesichter gemacht, aber wir haben die Sektkorken knallen lassen“, erzählt Altbürgermeister Balleis – denn mit dem Abzug der Amerikaner wurde Platz frei für neue Investitionen.

Platzmangel in Wuppertal, Friedensdividende in Erlangen

Ein bisschen Mythologie schwingt mit, wenn Balleis davon erzählt: Auf dem Walberla, dem heiligen Berg der Franken, habe Heinrich von Pierer den Entschluss gefasst, eine neue Fabrik für Medizintechnik zu bauen. Mitten in der Stadt entstand auf dem ehemaligen Militärgelände ein neues Viertel mit der Fa­brik, die heute zum Dax-Konzern Siemens Healthineers gehört, dazu Wohnungen und das Medical Valley Center. „Wir haben wirklich eine Friedensdividende bekommen“, sagt Balleis. „Wir waren zwar tüchtig, aber wir hatten auch Glück.“

Wuppertal dagegen leidet notorisch unter Platzmangel. Das war schon der Grund für den Bau der berühmten Schwebebahn, die die Stadtteile Barmen und Elberfeld verbindet. Der einzige Ort, wo in dem engen, dicht besiedelten Tal noch ein Zug fahren konnte, war über dem Fluss. Das habe sich auch auf die Entwicklung der Industrie ausgewirkt, mutmaßt Lars Bluma, der Leiter des Wuppertaler Zentrums für Stadtgeschichte und Industriekultur. „Klassische Industrie, die wachsen will, ist in der Tallage schwierig“, sagt er. Also expandierte Bayer lieber in Leverkusen, als den Standort in Wuppertal auszubauen. Der größte Arbeitgeber der Stadt ist Bayer nach wie vor. Nur wie lange noch? Eine Werksbesichtigung am Gründungsstandort lehnt der Konzern ab. Wie man sicherlich mitbekommen habe, schreibt eine Sprecherin des Unternehmens, „befinden wir uns gerade in laufenden Veränderungen“.

Museumschef Bluma sieht noch einen weiteren Faktor, der für den Niedergang verantwortlich ist: Die Wuppertaler Industrie habe schlicht wenig politische Lobby gehabt. Einerseits lag das daran, dass in der Textilindustrie vorwiegend Frauen arbeiteten. Die waren weniger gewerkschaftlich organisiert.

Aber auch die Struktur der Textilbranche an sich spielte eine Rolle. Es gab in Wuppertal sehr viele kleine und mittlere Betriebe mit nur einem guten Dutzend Angestellten. „Wenn im Ruhrgebiet ein Stahlwerk mit über 5000 Mitarbeitern dichtmacht, dann kommt der Bundeskanzler persönlich und hält flammende Reden“, sagt der Textil-Fachmann Siegfried Sohn. Wenn die Industrie nicht gerettet werden könne, werde in solchen Fällen zumindest darauf geachtet, dass der Übergang sachte vonstattengeht. Bei den Textilunternehmen war das anders.

Deindustrialisierung im Stillen

So kam es, dass in Wuppertal die Deindustrialisierung im Stillen voranschritt, ein Kleinbetrieb nach dem anderen schloss seine Tore. „Die Stadt musste sich immer irgendwie selbst behelfen“, berichtet Historiker Bluma.

Verstärkt wurde die Deindustrialisierung in der Stadt noch durch die Konkurrenz zur Nachbarregion. „Früher wurden in Wuppertal Schlaraffia-Ma­tratzen hergestellt. Aber im Ruhrgebiet gab es besondere Förderprogramme“, erzählt der Lokalhistoriker Reiner Rhefus. „Dann ging Schlaraffia nach Wattenscheid.“ Und als sich in Bochum ein Opel-Werk ansiedelte, floh auch die Wuppertaler Kabelindustrie dorthin. Die Deindustrialisierung war in Nordrhein-Westfalen auch immer ein Wettstreit der Kommunen um einen schrumpfenden Kuchen.

Erlangen hingegen hat es nie an politischer Unterstützung gefehlt. In höchsten Tönen spricht Altbürgermeister Balleis über seinen Parteifreund aus der CSU, den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Der sei immer „sehr technologieinteressiert“ gewesen und habe sich stark für den Standort eingesetzt. Das Medical Valley Center konnte die Stadt auch mit „massiver finanzieller Unterstützung“ des Freistaats aus der Taufe heben. Stoiber kam zur Eröffnung. So wurde Erlangen zum Profiteur bayerischer Industriepolitik.

Gewinner und Verlierer der Globalisierung

Zu den Unterschieden in der Topographie und den politischen Rahmenbedingungen kommt ein nicht zu unterschätzender dritter Faktor, der Wuppertal zum Nachteil und Erlangen zum Vorteil gereichte. In den Nullerjahren erreichte die sogenannte Hyperglobalisierung mit dem Eintritt Chinas in die Weltmärkte ihren Höhepunkt. Wuppertals Textilunternehmen mussten mit China konkurrieren – und scheiterten. Für Erlangens Maschinenbauer sah die Lage ganz anders aus, ihnen boten sich ungeahnte Exportchancen. Siemens Healthineers verkauft heute Computertomographen aus Erlangen in die ganze Welt, entwickelt und hergestellt mit Personal, das an deutschen Universitäten ausgebildet wurde und sich im Ausland zumindest bisher nicht leicht ersetzen lässt.

„Manche Regionen haben den nationalen Trend beschleunigt mitgemacht“, sagt der Ökonom Wolfgang Dauth, der den deutschen Strukturwandel erforscht hat. „Die Branchen sind hier umso stärker gewachsen, die auch bundesweit gewachsen sind.“ So wurde Erlangen zum Gewinner der Globalisierung, Wuppertals verbliebener Industrie versetzte sie dagegen den Todesstoß.

Hatte Wuppertal eine Alternative? Der Ökonom Dauth hält wenig davon, wenn Städte sich komplett neu erfinden wollen. „Dafür sind die Beharrungskräfte zu groß“, sagt er. Besser sei es, auf bestehenden Strukturen behutsam aufzubauen. Genauso hat es Erlangen getan. Gewandelt hat sich auch dort vieles. Unternehmen und Branchen mögen dieselben sein wie vor 30 Jahren, in den Werkshallen steht aber niemand mehr am Fließband. Stattdessen überwachen Mitarbeiter die Roboter, die beispielsweise Steuereinheiten für Motoren bauen. Siemens erprobt unter dem Modewort „Industrial Metaverse“, wie sich industrielle Abläufe im virtuellen Raum gestalten lassen, bevor auch nur eine echte Schraube gezogen wird. Das gesamte Werk existiert als digitaler Zwilling. „Das ist ein Aushängeschild, was Digitalisierung angeht“, sagt Markus Armbruster, der seit über 20 Jahren für Siemens arbeitet. Der Metzger hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Facharbeiter für Steuerungs- und Automatisierungstechnik abgeschlossen. Er repariert Kundengeräte, zwischen­zeit­liche Phasen der Kurzarbeit hat er konsequent für Weiterbildungen genutzt. Angefangen hat er mal im Verpackungszentrum, mit einer Tätigkeit, die heute weitgehend automatisiert ist.

Vom Teppich übers Maschinengewehr zum Thermomix

Und in Wuppertal? Auch im Bergischen Land gibt es einzelne Unternehmen, die sich erfolgreich weiterentwickelt haben. Die einstige Teppichfabrik Vorwerk, die im Ersten Weltkrieg Maschinengewehre herstellte und in der Nachkriegszeit Staubsauger. Heute ist das Unternehmen vor allem für seine Küchenmaschine Thermomix bekannt. Eine Zukunft als Industriestadt sieht Wuppertal aber nicht mehr für sich. Von der Textilindustrie sind einige „hidden champions“ geblieben, erfolgreiche Mittelständler, die Spezialmaterialien für Sicherheitsgurte oder Sportbekleidung herstellen. Aber viele Arbeitsplätze gibt es in diesen Nischenfeldern nicht mehr. Und ob Kultur und Tourismus eine blühende Zukunft bringen, ist ungewiss.

Erlangen ist anders aufgestellt. Ohne historische Fügung und eine Portion Glück lässt sich der Erfolg nicht erklären, aber auch nicht ohne das hohe Ausbildungsniveau, ohne die enge Verzahnung von Forschung und Wirtschaft und ohne staatliche Unterstützung zur rechten Zeit. Seit Siemens Healthineers vom Gesamtkonzern abgespalten wurde, sprudeln in der Stadt auch die Gewerbesteuern, die zuvor in Richtung der Siemens-Konzernzentrale in München abflossen. Bald, verspricht Matthias Hiegl, soll auch ein neuer Cafeteria-Betreiber ins Medical Valley Center einziehen.

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